9. Erneuerungen und Weiterentwicklung der kirchlichen Altenarbeit – Worin liegen die Chancen und was ist der Gewinn?

Neue Zielgruppen erschließen: von der Betreuungskirche zur Beteiligungskirche

Die neue Vielfalt des Alters schlägt sich nieder in einer geringeren Präsenz dieser Altersgruppen bei gemeindlichen Aktivitäten und beim Gottesdienstbesuch. Die neuen Altengenerationen nutzen die traditionellen gemeinschaftsfördernden Angebote eher zurückhaltend, weil sie den heutigen Lebensstilen und Altersbildern nicht mehr entsprechen. Gleichzeitig ist diese Personengruppe sehr aktiv und engagementbereit. Innovative Angebote kirchlicher Altenarbeit können hier gegensteuern, so dass unsere Kirche für ältere Menschen insgesamt wieder an Attraktivität gewinnt.

 

Gender-Aspekte berücksichtigen: Frauen und Männer altern anders

Erneuerung kirchlicher Altenarbeit meint auch, geschlechtsspezifische Themen des Alters mehr zu berücksichtigen. Mit entsprechenden Angeboten können Frauen und Männer mehr zur Teilnahme und Mitarbeit motiviert werden. EKD-weit existieren ca. 20.000 Frauenkreise, aber lediglich ca. 2000 Männerkreise. Frauen fühlen sich im Gemeindeleben unserer Kirche offensichtlich eher aufgehoben. Viele Männer hingegen, in Hierarchie und verantwortlichen Positionen der Kirche präsent, finden weniger Zugang zum derzeitigen kulturellen Angebot der Kirchengemeinden.

 

Potenziale des Alters entfalten und nutzen

Ältere Menschen wollen ihre Kompetenzen und ihre Fähigkeiten einbringen, sich auch jenseits der Familien- und Erwerbsarbeit engagieren und Erfolge und Anerkennung erleben. Selbstorganisierte, kirchliche Altenarbeit kann Räume schaffen, in denen sich ältere Menschen einbringen, gebraucht werden, Aufgaben und Verantwortung übernehmen und dadurch Sinnvolles für sich und andere auf die Beine stellen.

 

Sozialraum gestalten und Generationensolidarität leben

Die Weiterentwicklung und Erneuerung kirchlicher Altenarbeit kann mit ihrer innovativen Kraft dazu beitragen, die Lebensqualität vor Ort und in der Region zu erhöhen. Angebote selbstorganisierter Altenarbeit fördern sowohl Beheimatung, wie auch Vernetzung. Dies wirkt der Vereinsamung im Alter entgegen und kann so der Gemeinde zu mehr Nachbarschaftshilfe und sozialer Wärme verhelfen. Eine solch innovative Altenarbeit steht auch in der Tradition von Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegungen. Die Individualisierung und die gesellschaftlich spürbare Kraftlosigkeit von Familie haben viele Sozialräume kälter werden lassen. Der „dritte Sozialraum“ (Klaus Dörner), verstanden als Raum zwischen dem privaten Leben und dem öffentlichen Leben, benötigt von daher integrative Kraft und menschliche Solidarität. Innovative kirchliche Altenarbeit kann hier kreative Impulse setzen und wichtige Beiträge zu einer besseren Entwicklung und Ausgestaltung dieses Sozialraums leisten.