Das Alter ist jünger geworden. die heute 50 jährigen Menschen in unserem Lande sind die „35 Jährigen von gestern“, so der Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann von der Universität Duisburg/Essen. Nach einer repräsentativen Studie der Marc-Arthur-Foundation geben 65jährige Amerikaner heute an, sich 20 Jahre jünger zu fühlen. Wer selbst in die Jahre gekommen ist, merkt es beim Vergleich mit den eigenen Großeltern oder Eltern. Man fühlt sich um einiges jünger, leistungsfähiger und oft deutlich attraktiver.
Mittlerweile umfasst das Alter als soziokulturell festgelegte Lebensphase nach dem Berufsaustritt 20, 30 Jahre und mehr. Und diese Lebensphase hat sich deutlich gewandelt. Die Menschen sind relativ frei von beruflichen und familiären Verpflichtungen. Sie verfügen über viel Zeit, haben viel Lebenserfahrung. In ihren gelernten Handlungsfeldern sind sie kompetent, gut qualifiziert und haben insgesamt mehr (Aus-)Bildung erfahren als frühere Generationen.
Menschen des dritten Lebensalters empfinden durch den Wegfall der Verpflichtungen ein Stück Späte Freiheit. Sie sind materiell relativ unabhängig und können sich bisher unerfüllte Träume verwirklichen. Sie verfügen über eine kristallisierte Intelligenz, können mit ihrer menschlichen Reife das Wesentliche im Leben vom Unwesentlichen besser unterscheiden. Sie können vieles noch mitmachen, müssen es aber nicht mehr. Ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben, zumal bei guter Gesundheit und entsprechender Fitness, fördert eine recht hohe Lebenszufriedenheit. Nach Krisen und Krankheiten, beruflichen wie privaten Stresszeiten im eigenen Leben kann der Ruhestand helfen, wieder Genuss und Entspannung zu lernen. Viele Menschen im dritten Lebensalter sehen den Stress der Jungen, die mit Ausbildung und Familiengründung, Karriereplanung und der oft schwierigen Balance zwischen Familie und Beruf belastet sind. Sie entlasten die Jüngeren als Oma und Opa, als Nachbarschaftshilfe oder durch ehrenamtliches Engagement. Sie bilden als produktiver Störfaktor ein Gegengewicht zur Hektik und dem Stress des Alltags und setzen ihm Langsamkeit und Entschleunigung entgegen.
Die „50 + Studie“, ein Forschungsprojekt der Universität Osnabrück (2008), beschreibt die Menschen jenseits der 50 so: Die 50 + Bevölkerung ist mehrheitlich mobil, im bescheidenen Maße vermögend, will sich betätigen und selbst verwirklichen, bevorzugt einen partnerschaftlichen Feizeitstil, ist geistig und körperlich fit, ich-stark, selbstbewusst und mit sich selbst zufrieden. Die Verantwortungsethik ist hoch ebenso die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement.
Nach der letzten Freiwilligen-Survey (1999 -2004) des Bundesministeriums Familien, Senioren, Frauen, Jugend sind 31 Prozent der 60-69-Jährigen freiwillig engagiert und hier besonders in Kirche und Religion (neben Sport und Bewegung). Sie engagieren sich im Unterschied zu früher nicht mehr dauerhaft, sondern lebensphasenbezogen. Entscheidend sind für sie die Möglichkeiten zu Selbstbestimmung, Mitgestaltung und Partizipation.