Inhalt:
3. Tradition und Aufbruch – Was kann bleiben und was muss sich verändern in der kirchlichen Arbeit mit Älteren?
Die traditionelle Altenarbeit in Kirchengemeinden und Dekanaten ist wertvoll und wichtig. Sie unterstützt, betreut und pflegt alte Menschen auf vielfältige Weise und ist ein großer (Erfahrungs-)Schatz unserer Kirche. Dieses sozialpolitische Engagement, getragen von einem christlichen Menschenbild, setzt sich für Hilfsbedürftige, Schwache und Kranke ein und will dem Alter seine Würde verleihen. Inspiriert und gestärkt vom Glauben an Gott drückt diese Altenarbeit ein hohes Maß praktisch gelebter, menschlicher Solidarität aus. Ohne die kirchliche Altenarbeit mit ihren vielen haupt- und ehrenamtlichen Kräften wäre unsere Gesellschaft deutlich ärmer und unmenschlicher.
Doch das Leben im Alter hat heute viele Gesichter, ist sehr heterogen und facettenreich. Alte Menschen haben unterschiedliche Lebenskonzepte und Lebensentwürfe, ihre Interessenslagen, Lebensthemen und Herausforderungen sind verschieden, selbst innerhalb ein und derselben Altersgruppe. „Menschen altern genauso unterschiedlich wie sie leben“ (EKD-Synode 2004).
Auch in Sachen Altersbild hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen. Es werden primär nicht die Defizite und Begrenztheiten betont, sondern vielmehr die Möglichkeiten und Potenziale des Alters wertgeschätzt und gefördert. Mit diesem Wertewandel einher geht ein neues, aktives und durchaus auch innovatives Bild vom Alter. Altersbilder prägen das Denken und Handeln, finden ihren Ausdruck in Konzepten und in der praktischen Arbeit. Der Dreiklang arm, alt, krank im kirchlichen Sprachgebrauch zeigt dabei oft eine defizitorientierte Wahrnehmung alter Menschen insgesamt. Solange kirchliche Altenarbeit sich nahezu ausschließlich an bedürftige alte Menschen richtet, unterstreicht sie ein defizitäres Altersbild. Viele engagierte, lebensfrohe Alte fühlen sich durch eine solche Seniorenarbeit nicht (mehr) angesprochen.
Mit ihrer traditionellen Ausrichtung alleine greift kirchliche Arbeit mit alten Menschen zu kurz. Sie gerät zunehmend unter Druck, erodiert, klagt über abnehmendes Interesse an ihren Angeboten und über mangelnden „Nachwuchs“. Menschen im dritten Lebensalter sind einerseits Aktivposten im Gemeindeleben, doch gerade sie fühlen sich durch die Angebote der traditionellen Altenarbeit kaum angesprochen. Viele Gemeinden bedauern dies und suchen nach Wegen aus der Krise.
Kirchliche Altenarbeit steht vor der Notwendigkeit sich zu verändern. Sie muss sich an das moderne Alter anpassen und sich entsprechend weiterentwickeln. Eine solche Erneuerung braucht Tradition und Innovation zugleich. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, ist kirchliche Altenarbeit angehalten, den Blick deutlicher auf das neue Altersbild in all seiner Vielfalt zu richten und auf den Strukturwandel des Alters offen und kreativ zu reagieren.
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